Inhalt

RAVENFORGE / SIGNAL & TRANSDUCTION RESEARCH LOG — A06

RAVENFORGE

Signal & Transduction Research Log

A06 — Onboard Preamp Architecture

Gain · Mixing · EQ · Output hinter der pickupseitigen Grenzbedingung als ein zusammenhängendes Low-Z-Signalsystem entwerfen

Dokumentzweck
Der Onboard-Preamp wird nicht als bloßer aktiver EQ oder Bass/Mitten/Höhen-Regler verstanden, sondern als interne Signalarchitektur vom passiven oder aktiven Pickup bis zum Instrumentenausgang. Ausgehend von der in A05 definierten pickupseitigen Eingangsgrenze werden Pickup-Isolation, Mixing, Gain-Struktur, Equalization, Ausgangstreiber, Versorgung sowie Bypass-/Referenzzustand in einer gemeinsamen Entwurfssprache zusammengeführt. Verglichen werden veröffentlichte Herstellerdaten und Schaltungstheorie; nicht offengelegte interne Topologien werden nicht vermutet, und reale Effektgrößen an RavenForge-Prototypen bleiben späteren Versuchslogs vorbehalten.

Code

A06

Fokus

Onboard-Preamp-Architektur · Pickup-Isolation · Mixing · Gain-Struktur · EQ/Filtergesetz · Ausgangsgrenze · Versorgung/Bypass

Evidenz

technische Herstellerdokumentation · Analogschaltungs-App-Notes · Pickup-Modellierungsliteratur · RavenForge-Synthese

RavenForge-Bezug

A05 aktive Grenzbedingung → A06 Onboard-Architektur → B06 interner Signalweg → A07 Headroom/Versorgung

Vorgelagerte Logs

A03 · A04 · A05 · B03

Nachgelagerte Logs

B06 · A07 · A08 · C03/C04 (experiment deferred)

Status

Literatur-/Technikprüfung abgeschlossen · Architekturrahmen etabliert · Prototypmessung ausstehend

Datum

2026-09-18

Abbildung 1. A06 Systemgrenze. Entwurfsgegenstand eines Onboard-Preamps ist nicht ein einzelnes EQ-Modul, sondern die gesamte aktive Signaldomäne von der pickupseitigen Grenze bis zur Ausgangsgrenze.

Abbildung 1. A06 Systemgrenze. Entwurfsgegenstand eines Onboard-Preamps ist nicht ein einzelnes EQ-Modul, sondern die gesamte aktive Signaldomäne von der pickupseitigen Grenze bis zur Ausgangsgrenze.

1. Forschungsfrage — Wo beginnt bei einem „Active Bass“ tatsächlich der aktive Bereich?

Wer Instrumente mit Onboard-Preamp nur in passiv und aktiv einteilt, verdeckt wichtige strukturelle Unterschiede. Ein System kann passive Pickups und ein passives Volume/Blend-Netzwerk beibehalten und lediglich den EQ aktiv ausführen; es kann direkt hinter dem Pickup einen Buffer setzen, um die Quellenlast zu definieren; oder jeden Pickup separat puffern und erst danach aktiv mischen. Systeme wie der John East UNI-PRE besitzen sogar voneinander unabhängige aktive und passive Signalwege sowie für jeden Pickup eine eigene FET-Eingangsstufe mit Gain-Trim [6].

A06 Kernposition
Ein Onboard-Preamp ist nicht bloß ein an das Instrument angehängter EQ. Er ist die Architektur, die festlegt, wo ein direkt gekoppeltes hochohmiges Pickup-Netzwerk endet und ein aktiv kontrolliertes niederohmiges Signalsystem beginnt.

2. Architektur-Taxonomie — Nach Signalweg statt nach Produktname klassifizieren

Die folgenden Typen I–V sind keine offizielle Branchenklassifikation, sondern eine RavenForge-Arbeitstaxonomie für den strukturellen Vergleich. Sie soll Produkte nicht rangordnen, sondern explizit machen, welche Last- und Pickup-Wechselwirkungen erhalten und welche entkoppelt werden.

Abbildung 2. RavenForge-Arbeitstaxonomie. Auch bei Instrumenten, die gleichermaßen als „Active Bass“ bezeichnet werden, können Beginn der aktiven Domäne und Mischverfahren unterschiedlich sein.

Abbildung 2. RavenForge-Arbeitstaxonomie. Auch bei Instrumenten, die gleichermaßen als „Active Bass“ bezeichnet werden, können Beginn der aktiven Domäne und Mischverfahren unterschiedlich sein.

Typ

Signalweg

Bedeutung für den Entwurf

I — Post-mix active EQ

Passive PU → passive V/B → EQ/preamp → out

Nur der nachfolgende Bereich wird aktiv, während die bestehende Pickup/Poti-Wechselwirkung erhalten bleibt

II — Buffered source

Passive PU → buffer → controls/EQ → out

Definiert die pickupseitige Last explizit durch den Buffer-Eingang

III — Per-pickup active

PU A/B → individual buffers → active mix → EQ → out

Verringert die elektrische Wechselwirkung zwischen Pickups und ermöglicht Gain-Matching

IV — Active-source

Active PU → controls/EQ → out

Die Quelle enthält bereits eine aktive Low-Z-Stufe

V — Dual-path

PU → passive path ∥ active path → output

Passive Referenz und aktiven Signalweg getrennt erhalten

Der UNI-PRE ist ein repräsentatives Beispiel, das Merkmale von Typ III und Typ V verbindet. Laut Hersteller sind die aktiven und passiven Volume-/Blend-Wege vollständig unabhängig; im aktiven Pfad besitzt jeder Pickup einen eigenen Eingangsbuffer/-verstärker und einen Gain-Trim von 0–12 dB [6]. Dadurch lassen sich Pickups mit unterschiedlichen Ausgangspegeln im aktiven Pfad aufeinander abstimmen.

3. Eingangsgrenze — Zin ist nicht nur eine Kompatibilitätszahl

Aus Sicht von A03–A05 ist ein passiver magnetischer Pickup keine Spannungsquelle mit Nullimpedanz, sondern eine resonante Quelle mit frequenzabhängiger Quellimpedanz ZPU(f). Die Eingangsimpedanz Zin(f) des Preamps ist daher keine transparente Zahl, die den Pickup einfach „unverändert übernimmt“, sondern eine der Grenzbedingungen für die Dämpfung der belasteten Resonanz [1,9].

Produkt

Veröffentlichte Eingangsimpedanz

Interpretationsgrenze

Darkglass Tone Capsule

500 kΩ

Offizielle Spezifikation dieses Produkts [2]

ZUTA Bass Core

1 MΩ

Offizielle Spezifikation dieses Produkts [7]

Aguilar OBP-3

1 MΩ

Offizielle Spezifikation dieses Produkts [3]

Bartolini NTMB+FL

400 kΩ

Offizielle Spezifikation dieses Produkts [4]

EMG BQC

1 MΩ

Offizielle Spezifikation dieses Produkts [5]

John East UNI-PRE

Kein veröffentlichter Wert bestätigt

Wert wird nicht abgeleitet [6]

Die Verallgemeinerung „höheres Zin = besserer Klang“ ist nicht haltbar. Ein höheres Zin reduziert im Allgemeinen die resistive Dämpfung der Pickup-Resonanz; wurde ein Pickup/Netzwerk jedoch bewusst für eine Last von etwa 250–500 kΩ abgestimmt, ist der Wechsel auf einen 1-MΩ-Buffer bereits eine andere Klangbedingung. A06 dokumentiert Zin daher als Voicing-Parameter und nicht als Qualitätsrang.

4. Pickup-Mixing — Ein Blend-Poti allein beschreibt die Topologie nicht

Beim passiven Blend bilden Quellimpedanzen der Pickups sowie Blend-/Volume-Potis ein gemeinsames Netzwerk. Daher kann die Stellung eines Reglers die Last des jeweils anderen Pickups und die gemischte Übertragungsfunktion beeinflussen. Werden die Pickups vor dem Mischen einzeln gepuffert, arbeitet der Mixer dagegen mit niederohmigen Quellen und die gegenseitige Belastung der Pickups wird stark reduziert.

Die Beschreibung der getrennten aktiven/passiven Signalwege des UNI-PRE zeigt diesen Unterschied auf Produktebene deutlich. Im aktiven Modus durchläuft laut Hersteller jeder Pickup einen eigenen Eingangsbuffer/-verstärker, wodurch die Pickups voneinander entkoppelt werden und ein gleichmäßiges Blending sowie Pegelabgleich möglich sind [6].

Spezifikationsregel
In RavenForge-Elektronikdokumenten wird nicht nur ein Bauteilwert wie „Blend: MN250k“ notiert. Zuerst wird die Topologie als Passive interaction blend / Buffered blend / Active summing festgehalten.

5. Gain-Struktur — EQ-Boost und „Preamp-Gain“ sind nicht dasselbe

Wird Gain in einem Onboard-System zu einer einzigen Zahl zusammengefasst, lässt sich schwer nachvollziehen, an welcher Stelle Clipping entsteht. Für die Analyse ist die Trennung in Source level → input gain → mixing/summing → EQ gain → output stage zweckmäßiger. Der Bartolini NTMB+FL bietet einen internen Gain-Trim von 0–12 dB getrennt von EQ-Boost/Cut; auch der UNI-PRE besitzt für jeden Pickup einen aktiven Gain-Trim von 0–12 dB [4,6].

Bei starken EQ-Boosts kann eine nach dem EQ liegende Stufe den verfügbaren Spannungshub überschreiten, obwohl die Eingangsstufe noch nicht clippt. Die Gain-Spezifikation in A06 muss deshalb neben dem Gesamtgain auch die Gain-Verteilung je Stufe, den kumulierten Worst-Case-Boost und den gewählten Referenzpegel enthalten.

6. EQ-Architektur — Drei Regler definieren einen erreichbaren Klangraum, nicht nur drei Zahlen

Produkt

Veröffentlichte EQ-Spezifikation

Architektonische Bedeutung

Darkglass Tone Capsule

70 Hz ±12 dB / 500 Hz ±12 dB / 2.8 kHz ±12 dB

High-Mid-Regler statt konventionellem Treble [2]

ZUTA Bass Core

<40 Hz ca. ±16 dB / wählbare Mitten ca. ±15 dB / >3,25 kHz ca. ±12 dB

6-fach wählbares Mid-Ziel; Herstellerangabe neutral ±0,5 dB [7]

Bartolini NTMB+FL

30 Hz ±12 dB / 250 Hz ±12 dB / 6.5 kHz ±15 dB

Separater Gain-Trim 0–12 dB [4]

Aguilar OBP-3

40 Hz ±18 dB / 400 oder 800 Hz ±16 dB / 6,5 kHz ±16 dB

Wählbare Mittenfrequenz [3]

EMG BQC

Bass ±12 dB @20 Hz / sweepable mid 100 Hz–1 kHz / adjustable treble

Eingang für aktive/passive Pickups; 18 V empfohlen [5]

John East UNI-PRE

Bass window + sweep mid 100 Hz–2.5 kHz + adjustable treble shelf

Interne Einstellung von Pickup-Gain, Pre-Shape und EQ-Voicing [6]

Diese Unterschiede bedeuten nicht, dass eine Frequenz „besser“ ist als eine andere. Ein 2,8-kHz-High-Mid-Regler anstelle eines konventionellen Treble-Reglers wie beim Tone Capsule verändert die vom Spieler erreichbaren Klangoperationen. Sweepbare Mitten oder wählbare Mittenfrequenzen erweitern den erreichbaren Zustandsraum. Eine vollständige EQ-Spezifikation sollte daher neben Center-/Corner-Frequenz auch Shelf/Peaking-Verhalten, Q oder Flankensteilheit, Boost/Cut-Bereich und Regelgesetz angeben.

TI SLOA042 beschreibt eine konkrete Realisierung eines klassischen Baxandall-artigen aktiven Klangreglers, bei der das frequenzbestimmende Netzwerk in der Gegenkopplung des Operationsverstärkers liegt [10]. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Onboard-Preamp als Baxandall klassifiziert werden kann. Bei Produkten ohne Herstellerschaltplan oder andere verlässliche Schaltungsunterlagen wird die interne Filtertopologie nicht vermutet.

7. Active-flat ≠ Passive bypass — Referenzzustände getrennt behandeln

Eine Mittelrastung der EQ-Regler lässt den aktiven Signalweg nicht verschwinden. ZUTA gibt für den Bass Core bei neutralen Reglern maximal ±0,5 dB Abweichung von 20 Hz bis 20 kHz an; zugleich bleibt er eine aktive Schaltung mit 1 MΩ Eingang und 1 kΩ Ausgang [7]. Selbst bei nahezu linearem Frequenzbetrag unterscheiden sich Quellenlast, Rauschen, maximaler Signalhub, Ausgangsimpedanz und Kopplung an Folgelasten bereits vom passiven Pfad.

Abbildung 3. A06 Referenzzustandsmodell. Ein sinnvoller Vergleich erfordert die Trennung von passiver Referenz, Active-flat-Referenz und EQ-modifiziertem Zustand.

Abbildung 3. A06 Referenzzustandsmodell. Ein sinnvoller Vergleich erfordert die Trennung von passiver Referenz, Active-flat-Referenz und EQ-modifiziertem Zustand.

Referenzzustand

Definition

Hinweis für den Vergleich

Passive Referenz

Passiver Signalweg ohne aktive Stufe

Erhält die ursprüngliche Pickup/Poti/Kabel-Last

Active-flat-Referenz

Durchläuft den aktiven Pfad bei nominell linearem EQ-Transfer

Zin, Rauschen, Headroom und Zout sind bereits verändert

EQ-modifizierter Zustand

Zustand mit gezielt verändertem aktivem EQ/Gain

Übertragungsfunktion und Pegel können sich gemeinsam ändern

8. Ausgangsgrenze — Der Preamp definiert das Instrument als Low-Z-Quelle neu

Veröffentlichte Ausgangsimpedanzen sind 1 kΩ beim Tone Capsule, 1 kΩ beim ZUTA Bass Core, 2 kΩ beim EMG BQC und 100 Ω beim Aguilar OBP-3 [2,3,5,7]. Diese niederohmigen Ausgänge schaffen eine Quellenbedingung, die gegenüber nachfolgenden Kabel-/Last-Einflüssen weniger empfindlich ist als ein passiver magnetischer Pickup, der direkt an eine lange Kabelkapazität gekoppelt ist.

Die Formulierung, der „Kabeleffekt verschwinde“, wäre dennoch zu stark. Das Kabel bleibt eine Last, die die Ausgangsstufe treiben muss; tatsächliches Closed-Loop-Zout und Stabilität an kapazitiver Last hängen von Frequenz und Schaltungstopologie ab. A06 dokumentiert Ausgangsimpedanz und empfohlene Mindestlast getrennt. ZUTA empfiehlt mindestens 10 kΩ Last [7].

9. 9 V / 18 V — Betriebsbedingung statt Klangadjektiv

18 V führen nicht automatisch zu „besserer Klangqualität“. In einer Single-Supply-Analogstufe bestimmt die Versorgungsspannung zwar eine Obergrenze des möglichen Signalhubs, der tatsächlich nutzbare Hub wird jedoch durch Eingangs-Common-Mode-Bereich, Ausgangshub, Arbeitspunkt, Laststrom, Closed-Loop-Gain und Verzerrungskriterium des Bauteils begrenzt.

Analog Devices AN-581 beschreibt die Biasierung des Ausgangs nahe der halben Versorgungsspannung als üblichen Weg, aus einer gegebenen Single-Supply-Versorgung den größtmöglichen bidirektionalen Hub zu gewinnen, und weist darauf hin, dass eine einfache Widerstandsteiler-Biasierung Probleme bei Versorgungsspannungsunterdrückung und Stabilität verursachen kann [8]. EMG empfiehlt beim BQC ebenfalls 18 V für starkes Anschlagen in Verbindung mit Bass-/Treble-Boost [5].

A06 Abgrenzung
Sowohl „18 V = bessere Klangqualität“ als auch „18 V = exakt doppelte nutzbare Headroom“ werden verworfen. A06 dokumentiert die Versorgung lediglich als Architekturanforderung; reale Headroom- und Clipping-Effektgrößen werden in A07 und im späteren C04-Versuch behandelt.

10. Power · Noise · Bias — Auch die Batterie gehört zur Signalarchitektur

In einem Onboard-System können Batterie und Bias-/Referenznetzwerk nicht als äußere Randbedingungen betrachtet werden. Für den Tone Capsule werden etwa 2,4 mA Stromaufnahme veröffentlicht; der EMG BQC ist mit 600 µA bei 9 V und 740 µA bei 18 V angegeben [2,5]. Eine geringe Stromaufnahme verbessert die Batterielaufzeit, bedeutet aber nicht automatisch geringes Rauschen, hohen Headroom oder große Bandbreite.

Virtuelle Referenz und Entkopplung einer Single-Supply-Stufe wirken direkt auf Übertragungsverhalten und Stabilität. AN-581 erläutert, dass eine unzureichend gebypasste Mid-Supply-Teilung Versorgungsschwankungen über die Referenz in den Signalweg einkoppeln und die PSR verschlechtern kann; bei hohen Ausgangsströmen kann zudem Instabilität auftreten [8]. In die Architekturdokumentation gehören daher neben der Versorgungsspannung auch Referenztopologie, Decoupling, Stromaufnahme und Einschaltverhalten.

11. Veröffentlichte Beispiele — Nicht jeder „3-Band-Preamp“ hat dieselbe Architektur

System

Zin

Zout

Verifizierbare strukturelle Merkmale

Darkglass Tone Capsule

500 kΩ

1 kΩ

70 / 500 / 2.8k, 9–18 V, ~2.4 mA [2]

ZUTA Bass Core

1 MΩ

1 kΩ

dual-stage, selectable mid, neutral ±0.5 dB claim, ≥10 kΩ load [7]

Bartolini NTMB+FL

400 kΩ

Nicht veröffentlicht

0–12 dB gain trim + 3-band EQ, 9/18 V [4]

Aguilar OBP-3

1 MΩ

100 Ω

discrete FET input, selectable 400/800 Hz mid, 9/18 V [3]

EMG BQC

1 MΩ

2 kΩ

active/passive pickup input, sweep mid, 18 V recommended [5]

John East UNI-PRE

Nicht veröffentlicht

Nicht veröffentlicht

independent active/passive paths, per-pickup FET stage + gain trim [6]

Entscheidend ist, nicht veröffentlichte Werte nicht durch Vermutung zu ergänzen. Werte wie Zin/Zout des UNI-PRE oder Zout des Bartolini NTMB+FL bleiben unbekannt, wenn sie sich in offiziellen Unterlagen nicht bestätigen lassen. Herstellerformulierungen wie „transparent“, „high headroom“ oder „studio-quality“ werden außerdem klar von unabhängig gemessenen Tatsachen getrennt.

12. Mythos-Audit — Aussagen des Entwurfs beibehalten, überarbeiten oder streichen

Aussage

Behandlung

Begründung / Hinweis

Ein Onboard-Preamp ist nicht nur ein EQ

Beibehalten

Es gibt reale Produkte mit Input-, Mixing-, Gain-, Output- und Power-Funktionen

Höheres Zin ist immer besser

Streichen

Die belastete Übertragungsfunktion hängt von Source-Voicing und vorgesehener Last ab

Passive Blend und Buffered Blend sind identisch

Streichen

Die Lastarchitektur zwischen den Pickups unterscheidet sich

Jeder Preamp folgt input → mix → EQ → out

Bedingt überarbeiten

Reihenfolge der Stufen und Position der Regler unterscheiden sich je Produkt

Der OBP-3 verwendet eine Baxandall-Topologie

Streichen

Ohne veröffentlichte Belege darf die Filtertopologie nicht vermutet werden

Active-flat = passiv

Streichen

Zin/Zout/Rauschen/Headroom-Grenzen unterscheiden sich

18 V verbessert immer die Klangqualität

Streichen

Als Betriebsbedingung von Versorgung/Headroom behandeln

18 V liefert exakt doppelte nutzbare Headroom

Streichen

Abhängig von Bauteil, Bias, Last und Clipping-Kriterium

Ein FET-Eingang ist automatisch rauscharm

Streichen

Quellimpedanz sowie Spannungs- und Stromrauschen gemeinsam bewerten

13. RavenForge Onboard Electronics Specification Bundle

Spezifikationskette
Sonic intent → Source type → Pickup-facing Zin(f) → Isolation topology → Mixing law → Gain structure → EQ/filter law → Active-flat reference → Headroom/clipping condition → Zout(f) → Recommended load → Noise → Power/current → Bypass topology → Validation

Bereich

Pflichtangaben

Quelle

passive / active pickup, nominal output, source Z(f)

Eingang

Zin, Eingangskapazität oder Eingangsnetzwerk

Isolation

none / common buffer / per-pickup buffer

Mixing

passive blend / buffered blend / active summing

Gain

input / pickup trim / mix / EQ / output gain

EQ

Topologie (falls verifizierbar), Frequenz, Q/Flanke, Boost/Cut-Bereich, Regelgesetz

Referenz

passive / active-flat / shaped state definieren

Dynamik

supply, maximum input/output, clipping criterion

Ausgang

Zout, recommended minimum load

Rauschen

eingangsbezogenes oder Ausgangsrauschen, Messbandbreite/Gewichtung

Versorgung

supply range, current draw, battery switching, reference/decoupling

Bypass

true passive / buffered bypass / no bypass

Validierung

veröffentlichte Spezifikation / Bench-Messung / prototypspezifische Akzeptanzgrenze

14. Anwendung auf RavenForge-Modelle

Die wichtigste Entwurfsregel aus A06 lautet, Preamps nicht einfach nach Preis zu staffeln. Werden unterschiedliche Module wie ZUTA, Noll und John East lediglich als „Standard → Upgrade → Premium“ eingeordnet, gehen die Architekturunterschiede verloren. Ein System wie der UNI-PRE mit Per-Pickup-Buffering und getrennten aktiven/passiven Signalwegen verändert die Topologie weit stärker als ein bloßer Austausch des EQ-Moduls.

Bei einer Struktur wie ASKR, in der die Quelle selbst ein aktiver Pickup ist, lässt sich die Zin-Frage nicht unverändert vom passiven magnetischen Pickup übertragen. Wird dagegen wie bei EDDA die Wechselwirkung der Pickups mit passiver Filterung bewusst als Teil der Stimme entworfen, kann ein Buffer direkt hinter dem Pickup das gewünschte gekoppelte Verhalten entfernen. Auch bei EMBLA wird die „Preamp-Wahl“ abhängig vom verwendeten Pickup und der Position passiver Regler zur Wahl der elektrischen Grenze.

RavenForge Entwurfsregel
Preamp selection = topology selection. Die Signalwegstruktur wird nach Quellenarchitektur und gewünschter Bedienoperation gewählt, nicht nach Bauteilpreis oder Anzahl der EQ-Bänder.

15. Claim-by-Claim Evidence Matrix

Aussage

Direkter Beleg

Evidenzniveau

Hinweis

Ein Onboard-Preamp kann neben EQ auch Input-/Output-/Gain-Architektur enthalten

Herstellerunterlagen zu UNI-PRE, NTMB+FL und BQC [4–6]

Hoch

Bedeutet nicht, dass alle Produkte dieselbe Struktur besitzen

Zin unterscheidet sich je Produkt von 400 kΩ bis 1 MΩ oder mehr

Offizielle Spezifikationen von Darkglass/ZUTA/Aguilar/Bartolini/EMG [2–5,7]

Hoch

Nur für die genannten Modelle

Per-Pickup-Buffering reduziert die direkte Belastung zwischen Pickups

UNI-PRE-Herstellerbeschreibung + Schaltungstheorie [6]

Hoch

Die reale Mischantwort hängt auch von der nachfolgenden Topologie ab

Active-flat ist nicht identisch mit passivem Bypass

Veröffentlichte Zin/Zout-Werte und aktive Signalwegstruktur [2,5,7]

Hoch

Die Effektgröße eines „hörbaren Unterschieds“ muss separat gemessen werden

Die nutzbare Headroom lässt sich nicht allein aus der Versorgungsspannung exakt bestimmen

AN-581 [8]

Hoch

Bauteilspezifische Datenblätter und Lastbedingungen erforderlich

Die Frequenzzuordnung der EQ-Regler definiert den erreichbaren Klangraum

Offizielle EQ-Spezifikationen der Produkte [2–7]

Mittel–hoch

Keine Aussage über klangliche Überlegenheit

Nicht jeder Onboard-Preamp kann als Baxandall betrachtet werden

Die TI-Literatur beschreibt nur eine bestimmte Baxandall-Implementierung [10]

Hoch

Bei nicht veröffentlichten Schaltungen bleibt die Topologie unbekannt

Batterie/Referenz/Decoupling beeinflussen Stabilität und Übertragung

AN-581 [8]

Hoch

Die Prototyp-Implementierung benötigt spätere Verifikation

16. Forschungsgrenze und nachfolgende Logs

A06 legt nur Architektur und Spezifikationssprache fest. A07 — 9V vs. 18V: Headroom and Dynamic Range behandelt Versorgungsspannung, Rail-Margin, Clipping und Signalpegel separat. B06 — Rethinking the Internal Signal Path überführt die hier definierten Stufen und Grenzen in die reale interne Control-/Routing-Architektur des Instruments.

C03 — Preamp Frequency Response Mapping misst EQ-Kurven, Active-flat-Response, Gain und Ausgangsverhalten; C04 — Headroom Test prüft maximalen Hub bei 9/18 V, THD+N und Clipping-Schwelle. Entsprechend dem aktuellen Master-Schedule werden die C-Serien-Experimente auf eine spätere Phase verschoben.

17. Quellenstatus / Interpretationsgrenze

Für Produktwerte werden in diesem Log Herstellerangaben und offizielle technische Dokumente bevorzugt. Formulierungen wie „transparent“, „high headroom“ oder „studio-quality“ gelten als Herstellerbehauptungen und nicht als unabhängig gemessene Tatsachen. Auch ZUTAs Angaben neutral ±0,5 dB und +20 dBu Eingangspegel sind veröffentlichte Herstellerspezifikationen [7].

Op-Amp-Typ, Filtertopologie, Q und interne Gain-Verteilung werden bei Produkten ohne veröffentlichten Schaltplan nicht vermutet. Dieses Dokument ist eine Architekturstudie auf Basis von Literatur, Schaltungstheorie und veröffentlichten Spezifikationen und enthält keine Messungen an RavenForge-Prototypen. Reale Effektgrößen und Akzeptanzgrenzen werden in späteren C-Serien bestimmt.

18. Aktuelles Fazit — Der Onboard-Preamp ist eine Signal-Domain-Architektur

Aktuelles Fazit
Die Onboard-Preamp-Architektur ist die Gesamtheit elektrischer Grenzbedingungen und Regelstufen, die festlegt, wo ein Pickup-Netzwerk aufhört, sich als direkt gekoppelte hochohmige Quelle zu verhalten, und zu einem aktiv konditionierten, gemischten, gefilterten und niederohmigen Ausgangssystem wird.

Entscheidend ist nicht, ob ein Preamp „einen 3-Band-EQ besitzt“. A06 untersucht, wo die Quelle entkoppelt wird, wie Signale gemischt werden, in welcher Stufe Gain entsteht, welcher Klangzustandsraum erreichbar ist und über welche dynamische/Ausgangsgrenze das Signal das Instrument verlässt. RavenForge dokumentiert Onboard-Elektronik daher künftig als Signalarchitektur und messbares Spezifikationsbündel statt als bloße Komponentenliste.

References

[1] RavenForge. A05 — Active Buffers and Input Impedance. Signal & Transduction Research Log, 2026-09-14.

[2] Darkglass Electronics. “B2M2 Tone Capsule.” Official product specifications: 500 kΩ input, 1 kΩ output, ~2.4 mA, 70 Hz / 500 Hz / 2.8 kHz ±12 dB, 9–18 V. https://www.darkglass.com/products/tone-capsule

[3] Aguilar Amplification. “OBP-3 — 3 Band, Boost/Cut, 9 or 18 Volt On Board Preamp.” Official specifications: 1 MΩ input, 100 Ω output, 40 Hz ±18 dB, 400/800 Hz ±16 dB, 6.5 kHz ±16 dB. https://aguilar.korg-kid.com/obp

[4] Bartolini. “NTMB+FL 3-Band EQ Preamp Module.” Official specifications: 400 kΩ input, 0–12 dB gain trim, 30 Hz ±12 dB, 250 Hz ±12 dB, 6.5 kHz ±15 dB, 9/18 V. https://bartolini.net/product/ntmbfl/

[5] EMG Pickups. “BQC Control — Active / Passive Pickup Input.” Installation Information 0230-0203K. 1 MΩ input, 2 kΩ output, 600/740 µA @ 9/18 V, 18 V recommended. https://www.emgpickups.com/pub/media/Mageants/b/q/bqc_control_b245_0230-0203rk.pdf

[6] East UK / John East. “UNI-PRE User Manual.” Independent active/passive paths; per-pickup Class-A FET input stages; 0–12 dB pickup gain; EQ details. https://www.east-uk.com/2025/11/28/uni-pre-5-knob-user-manual/

[7] ZUTA Group. “ZUTA Bass Core.” Official product specifications: 1 MΩ input, 1 kΩ output, recommended load ≥10 kΩ, dual-stage analog circuit, selectable mid, manufacturer neutral-response claim ±0.5 dB (20 Hz–20 kHz), 9–18 V. https://zutagroup.com/products/zuta-bass-core

[8] Kitchin, C. “AN-581: Biasing and Decoupling Op Amps in Single Supply Applications.” Analog Devices. https://www.analog.com/en/resources/app-notes/an-581.html

[9] Paiva, R. C. D.; Pakarinen, J.; Välimäki, V. “Acoustics and Modeling of Pickups.” Journal of the Audio Engineering Society, 60(10), 768–782, 2012. https://aes.org/publications/elibrary-page/?id=16551

[10] Harris, D. “Audio Tone Control Using the TLC074 Operational Amplifier.” Texas Instruments Application Report SLOA042, 2000. https://www.ti.com/lit/an/sloa042/sloa042.pdf